Brandenburg,  Kurztrip,  Mark Brandenburg

Abtauchen in der Mark Brandenburg bei Rheinsberg10 min read

Vogelgezwitscher in den Buchen, ein sanftes Rauschen der Blätter, Wildbäche plätschern, dazu warme Sonnenstrahlen auf der Haut. Wer sich in die Wälder und Seengebiete der Mark ganz im Norden Brandenburgs an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern begibt, ist nicht auf der Suche nach tobender Ausflugslust. Ruhe vor der Welt da draußen, Kraft tanken, die Natur genießen – das steht hier im Vordergrund. Wir wollen abtauchen ins Naturschutzgebiet Ruppiner Schweiz – eine Tour mit viel Geschichte und am Schluss tatsächlich auch einem Tauchgang.

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Text: Jörg Krauthöfer / Fotos: Nicole Krauthöfer

Unser erstes Ziel ist die Boltenmühle zwischen Neuruppin und Rheinsberg. Die enge Straße endet nach vier Kilometern und etlichen Serpentinen in einer Sackgasse am nördlichen Ende des Tornowsees.  Den romantischen Ort Boltenmühle gibt es schon seit fast 300 Jahren. Namensgeber Hans Joachim Bolten legte 1718 den Grundstein und baute sich die Mühle. Von Kronprinz Friedrich, später auch bekannt auch als Alter Fritz, ist der Satz überliefert: 

„Wahrlich, wenn ich nicht Herr von Rheinsberg wäre, möchte ich Müller der Boltenmühle sein“

Alter Fritz

Gemahlen wird zwar schon seit Jahren nicht mehr. Zu DDR-Zeiten war die Boltenmühle ein beliebtes Ausflugslokal. Ganze Busladungen naturbegeisterter Ausflügler karrten die Reisebüros aus Berlin, Chemnitz und Rostock hierher. Hinter der Mühle nimmt ein zwei  Kilometer langer Rundwanderweg seinen Anfang. Er führt vorbei an einem Moor, durch lichte Buchenwälder direkt zum Kalksee. Immer an der Seite des Wanderers verläuft der Binenbach. Tief hat er sich in den Boden eingeschnitten. Umgestürzte Bäume liegt kreuz und quer im Fluss, als hätten ein paar Riesen Mikado gespielt. Dazu kommt der grandiose Sound der Natur. Am Nordufer des glasklaren Kalksees liegt der kleine Ort Binenwalde. Aber nicht irgendwelche Bienen, wie man leicht vermuten könnte, haben den Ort seinen Namen verpasst. Eine schöne Förstertochter namens Sabine verdrehte dem Alten Fritz den Kopf. Vielleicht war es auch umgekehrt. Deutschlands Wanderdichter Theodor Fontane macht Sabine zur Legende.

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Rundwanderung am Binenbach durch Buchenwälder

Glasklar liegt der Kalksee eingebettet in wunderschöner Umgebung und leuchtet in türkisem Licht. Das Ufer ist sandig und lädt zum Baden ein, alte Buchen bieten Schatten. An der tiefsten Stelle im See geht es rund 22 Meter nach unten. Natürlich: Ganz so ruhig wie bei unserem Besuch ist es in der Sommerzeit nicht. Viele Ausflügler, unter anderem aus Berlin, säumen dann vor allem an den Wochenenden die zahlreichen Buchten des 1,4 Kilometer langen Gewässers. Unter der Woche hat man hier seine Ruhe und kann dem Geschnatter der Wildgänse, Kraniche oder Haubentaucher zuhören.

Abtauchen in der Mark Brandenburg
Buchen soweit das Auge reicht. Der Wald an der Boltenmühle verzaubert durch unglaubliche Farben
Abtauchen in der Mark Brandenburg
Unser Schlafplatz direkt am nördlichen Ende des Tornowsees. Kein Autolärm stört die Idylle. Stattdessen gibt es Grillengesang und Vogelstimmenn aufs Ohr. Kostenlos natürlich.

Abtauchen in Rheinsberg

In Rheinsberg soll man auch gut abtauchen können. Nämlich in die Geschichte der Region. Das Schloss am Südufer des Grienericksees und sein prächtiger Park laden zum Flanieren ein. Friedrich der Große, so steht es in den Geschichtsbüchern, soll als Kronprinz hier sehr glücklich gewesen sein. Rheinsberg war seine Probierstube für innovative Gestaltungsideen, die in Schoss Sanssouci in Potsdam ihren krönenden Abschluss fanden. Schloss Rheinsberg war übrigens mal eine Wasserburg, bevor es im Jahr 1740 im Rokokostil umgebaut wurde. Der Graben rund um das historische Gebäude ist noch ein Überbleibsel aus jener Zeit. Heute kaum vorstellbar: Zu DDR Zeiten war hier eine Diabetes-Klink untergebracht. Zum Glück ist die Epoche vorbei und nach Jahren aufwendiger Restaurierung ist das Ensemble wieder zugänglich.  

Gleich neben dem Schloss ist die Musikakademie Rheinsberg zu Hause. Das seit 30 Jahren stattfindende Opernfestival der Kammeroper hat sich einen Namen erarbeitet, der rund um den Globus bei Opernfans Begeisterungsstürme auslöst. Im Garten vor dem Schloss sitzen die Besucher und genießen den Blick eines Königs auf den See. Am anderen Ufer ragt der Obelisk von Rheinsberg empor, ein Heldendenkmal, das an die preußischen Helden des Siebenjährigen Krieges erinnert.

Abtauchen in der Mark Brandenburg
Am Hafen in Rheinsberg, in Laufweite zum barocken Schlossensamble, gibt es Pommes und Bratwurst neben so manch skurriler Kunst. Den Menschen jedenfalls gefällt es.
Das Basiscamp am Roofensee
Das Basislager am Camperstellplatz in Menz, unweit vom Roofensee, ist erreicht und bald mit allerlei Ausrüstungsgegenständen vollgestellt. Wir wollen nämlich tauchen gehen.

Auf nach Stechlin

Wir verlassen Rheinsberg und setzen unsere Reise in Richtung Stechlinsee fort. Auch wenn dieser nicht wirklich klarste der See Norddeutschlands ist,  als der er gern bezeichnet wird – er ist  rund 70 Meter tief. Wir sind auch nicht mehr zu zweit unterwegs. Unser Freund Jan Gutschmidt aus Norderstedt bei Hamburg hat sich zu uns gesellt und ist mehr als willkommen. Jan kann nämlich tauchen. Hat das von der Pike auf gelernt und steht uns ab sofort mit Rat und Tat zur Seite. Hier in der Nähe, im Roofensee, wollen wir nämlich jetzt abtauchen. So richtig  mit Schnorchelmaske und Taucherflossen. Ein altes Schiffswrack im Roofensee hat unsere Neugier geweckt.  Der Roofensee, im Örtchen Menz gelegen, zählt zu den klarsten Seen der Region. Motorboote sind hier verboten. Kein unnötiges Geräusch stört Natur und Tiere. Menz ist ein Beispiel dafür, was für schöne Ecken diese Region zu bieten hat. Die Badestelle am Südufer liegt idyllisch im Morgenlicht. Alte Bäume bieten Schutz vor der Sonne, das Wasser treibt leise und in türkis-blauen Wellen von Ost nach West.

Glasklares Wasser und ein versunkener Kahn

Am Ostufer gibt es einen Naturcampingplatz. Die Ferienhäuser im Walddorf an der westlichen Seite waren zu DDR-Zeiten nur Diplomaten zugänglich. Heute urlaubt hier die ganze Republik.  Der gesunkene Kahn liegt an der nördlichsten Seenspitze und ist nur mit dem Boot erreichbar.

Wir pumpen am Naturbadstrand also unsere Kajaks auf und machen uns auf den Weg. Direkt von Bord geht es im Neoprenanzug ins zwölf Grad „warme“ Wasser. Die Sichtweite ist hervorragend. Allerdings sollte man beim Schnorcheln heftige Flossenbewegungen vermeiden. Die Wassertiefe beträgt etwa zwei Meter und der schlammige Boden wirbelt bei jeder Bewegung Sedimente auf. Dann endlich ist der Kopf unter Wasser.

Abtauchen in der Mark Brandenburg - auch einen alten Kahn kann man da finden
Das Ziel unserer Begierde: ein versunkener Kahn in zwei Meter Tiefe. Der Fantasie sind jetzt keine Grenzen gesetzt.
Auftauchen im Roofensee
Pause

Unter Wasser beginnt eine andere Welt

Die Welt ist plötzlich eine andere. Winzige Fische tanzen über dem mit Schlamm bedeckten Resten des alten Kahns. Welche Geschichte das Wrack hat, bleibt ein Geheimnis. Lautlos und schwerelos schnorcheln wir durch das feuchte Element. Von weitem ist ein Hecht am Schilfrand zu erkennen. Er zeigt seine Zähne, verschwindet genauso still, wie er gekommen ist und hinterlässt ein kribbeliges Gefühl im Magen. Zwei Stunden lang ist das kühle Nass unser Element. Man kann von dieser Unterwasserwelt mit ihren Pflanzen und Fischen gar nicht genug bekommen. Zu Abschluss des Tauchgangs kreuzt noch eine Ringelnatter schwimmend den Rückweg zum Boot. Was für ein Erlebnis. Am späten Abend, längst sind Neoprenanzug, Badehose und Kajak wieder getrocknet, zeigt sich die Mark Brandenburg mit einem traumhaften Sonnenuntergang von ihrer schönsten Seite. Und wir sind uns sicher – wir kommen wieder.

Abtauchen in der Mark - auf dem Roofensee
Vom Wasser können wir einfach nicht genug bekommen. Auf dem SUP geht es noch einmal zur späten Stunde raus. Direkt in einen wunderbaren Sonnenuntergang hinein.

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Anfahrt
Mit dem Auto Von Berlin aus Bundesstraße B96 Gransee,
dann L222 bis Stechlin/ Roofensee, ca 85 km, Fahrtzeit 1,5 Stunden


Mit der Bahn (und weiter mit Fahrrad)

Von Berlin-Hauptbahnhof mit dem RE5 bis Löwenberg, dann RB54 bis Rheinsberg (ca. 1,5 Stunden) oder RB5 bis Fürstenberg (Fahrtzeit ca. 1 Stunde) und weiter mit dem Fahrrad

Rad-Entfernungen

Von Rheinsberg bis Boltenmühle sind es etwa 20 Kilometer
von Fürstenberg bis zum Roofensee sind es etwa 12 Kilometer.

 
Information
Touristeninformation Rheinsberg, Remise am Schloss,
Mühlenstraße 15a, 16831 Rheinsberg, 033931 34940
www.rheinsberg.de
 
Sehenswürdigkeiten
Schloss Rheinsberg, 16831 Rheinsberg, 033931 726-0,
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17.30 Uhr, Einzelticket 10, ermäßigt 7 Euro

 
In der Nähe
Keramikwerkstatt Rheinsberg
Rhinstraße 1, 16831 Rheinsberg
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 16 Uhr, am Wochenende von 11 bis 16 Uhr, 033931 2003
keramik-rheinsberg.de

Glasmacherhaus
Stechlinseestraße 21, 16775 Stechlin-Neuglobsow, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr, am Wochenende bis 16 Uhr
033082/70202
 
Boote und Tauchen
Tauchbasis Stechlin, geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr
Schnupperkurse ab 59 Euro pro Person, 033082 70453
Tauchbasis Stechlin

Bootsverleih
Stechlinsee, Bungalowweg 1b, 16775 Stechlin, 033082 779982, täglich 9 bis 19 Uhr
bootsverleih-stechlin.de

Bootsverleih Rheinsberg
Kurt-Tucholsky-Straße 1, 16831 Rheinsberg, 033931 39390, täglich 9-18 Uhr.
Boat-City, Hafendorf Rheinsberg, Kaistraße 316831 Rheinsberg, 033931 80545
boote-rheinsberg.de
 
Natur und Tiere

Naturparkhaus Stechlin
Kirchstraße 4, 16775 Stechlin-Menz
Öffnungszeiten Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, geöffnet an Wochenenden und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr, Eintritt: 5, ermäßigt 3 Euro
Anmeldung unter 033082 51210
www.naturparkhaus.de

Tierpark Kunsterspring
Kunsterspring 4, 16818 Neuruppin,
geöffnet täglich 9 bis 19 Uhr, Eintritt: 5, ermäßigt 2,50 Euro
tierpark-kunsterspring.de
 
Gastronomie
Restaurant Boltenmühle
Boltenmühle 1, 16818 Neuruppin
Tischreservierung: 033929/70500
www.boltenmuehle.de

Ratskeller Rheinsberg
Markt 1, 16831 Rheinsberg, geöffnet täglich von 11.30 bis 22 Uhr, 033931/2264
www.ratskeller-rheinsberg.de

Künstlerhof Roofensee
Berliner Straße 9, 16775 Stechlin-Menz, 033082 40250,
www.kuenstlerhof-roofensee.de

Café Glasklar
Stechlinseestraße 17,
16775 Stechlin-Neuglobsow, 033082 407525, geöffnet täglich 9 bis 18 Uhr
cafeglasklar.de

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  • KYRKÖ MOSSE – Der Autofriedhof im Smaland

    Ganz weit unten in Smaland, verborgen in den tiefen Wäldern des schwedischen Bezirkes Kronoberg, liegt der kleine Autofriedhof Kyrko Mosse. Mitten im Moor rosten seit vielen Jahrzehnten zahlreiche Autowracks vor sich hin. Der Schwede Åke Danielsson (1914–2000), der hier anfänglich nur Torf gewann, widmete sich der Verwertung von Autos. Die ausgeschlachteten Wracks ließ er im Wald stehen und schuf damit die Grundlage für einen wahren Hotspot für Autoliebhaber aus der ganzen Welt. Das Paradies ist aber bedroht. Viele Fans haben sich im Laufe der Jahre an den Wracks bedient. Und: die Natur holt sich ihr Land zurück. 

  • FIN FEM FALLS – Finde die fünf Wasserfälle in der Wildnis von Härjedalen

    Wenn wir an Härjedalen denken, denken wir an dunkle und tiefe Wälder, an verwunschene Moore und Birken-bewachsene Sümpfe. An endlose Fjälllandschaften und hohe Berge. An klare Seen mit hellem Sandstrand und einsamen Inseln. Und an rauschende, beeindruckende Wasserfälle. “Fin fem Falls”, finde die fünf Wasserfälle, nennt sich ein beliebtes Abenteuerspiel in Härjedalen, einer kleinen Bergregion in der schwedischen Provinz Jämtland. Es führt Wanderer auf manch verschlungenen Pfaden zu ausgewählten Wasserfällen. Ein Spaß für die ganze Familie.

  • Things to do… #1 Urwaldfeeling am Roofensee – Wanderung in Stechlin

    Der Amazonas liegt gleich um die Ecke. Das glauben sie nicht? Dann fahren Sie an den Roofensee. Der befindet sich in Menz, unweit der Stadt Rheinsberg. Menz ist ein kleines Idyll. Malerische Häuser schmiegen sich samt Dorfkirche und Künstlerkolonie in die eiszeitliche geprägt Hügellandschaft. Der Roofensee selbst ist glasklar und auch ein Überbleibsel der letzten Eiszeit. Die Gletscher schmolzen und übrig blieben einzelne Gewässer, verbunden durch schmale unscheinbare Kanäle und Wasserläufe. Und genau hier finden wir unseren Amazonas. Kommt doch einfach mit auf die kleine Wandertour mit Rucksack, Kamera und ganz viel Entdeckerlust.

  • Der Njupeskär im Fulufjäll – Schwedens höchster Wasserfall

    Am Rande der schwedischen Provinz Dalarna, ein Steinwurf entfernt von der Grenze zu Norwegen, liegt Schwedens höchster Wasserfall. Ganze 125 Meter, 95 davon im freien Fall, stürzen sich die Wassermassen des Njupeskär von einem Bergplateau in die Tiefe. Mit ohrenbetäubendem Getöse. Wer einen Blick auf das Spektakel werfen möchte braucht, wenn der Wind ungünstig kommt, manchmal einen Regenponcho, mehr aber noch Geduld, denn das Naturparadies erfreut sich wachsender Begeisterung nicht nur bei den Touristen. Dalarna ist für uns neben Jämtland die schwedischste Provinz überhaupt. Wunderschöne rote Holzhäuser, das berühmte Dalarnapferdchen, wilde Flüsse in denen man hervorragend Fliegenfischen kann, unzählige Seen, endlose Nadelwälder und natürlich die Berge. Schon von weiten ist es sichtbar, das große Fjällplateau des Fulufjäll Nationalparks. Der ist einer von 29 schwedischen Nationalparks und liegt im mittelschwedischen Westen, direkt an der Grenze der Provinz Dalarna zu Norwegen. Das geschützte Fulufjäll, eine grandiose Gebirgslandschaft auf 800 bis 900 Höhenmetern, reicht ins Nachbarland hinein und ist von östlicher und westlicher Seite erschlossen. Dazwischen breitet sich eine unberührte, oft baumlose und weitgehend von Heide und Flechten bewachsene Hochebene aus. Der Höhenkamm reicht im Südwesten an das Sälenfjäll und im Nordosten bis ins norwegische Hochgebirge am Femundensee. Ein großes Tor markiert den Eingang zum Nationalpark. Direkt dahinter befindet sich das Naturum, In dem Informationszentrum gibt es Wanderkarten zu kaufen. Wechselnde Ausstellungen zur Geschichte der Landschaft bieten Informationen aus erste Hand. Direkt am Naturum liegt auch ein Restaurant, wo man ganz ausgezeichnete Hamburger essen kann. Etwa fünf Kilometer ist der Rundwanderweg lang. Er führt am Anfang über lange barrierefreie Bohlenwege durch das große Moor. Rastplätze bieten Raum zu verweilen und genießen an. Im Herbst färben die Moltebeeren das Fjällmoor gelb bis rötlich. Und wenn dann noch die Sonne günstig scheint, leuchtet das ganze Fjäll. Später geht die Wanderung über Sock und Stein parallel am Storan Njupan entlang, der sich je nach Regenlage auch mal zu einem reißenden Fluss entwickeln kann. Der Ausblick auf die Landschaft von Dalarna ist grandios. Am Horizont sind bei guter Sicht die Berge vom benachbarten Härjedalen zu sehen. Wenn die große hölzerne Aussichtsplattform unterhalb des Wasserfalls erreicht ist, hat man einen spektakulären Blick auf das Naturschauspiel. 125 Meter stürzen sich die Wasser tosend in die Tiefe, wo besonders wagemutige Abenteurer dann auch schon mal die Aussichtsplattform verlassen, um ihren persönlichen Nervenkitzel ganz dicht am Krater zu suchen. Keine Sorge, wenn er Wind ungünstig steht, wird man auch am Fotopunkt nass und muss nicht über Stock und Stein kraxeln.

  • Abtauchen in der Mark Brandenburg bei Rheinsberg

    Vogelgezwitscher in den Buchen, ein sanftes Rauschen der Blätter, Wildbäche plätschern, dazu warme Sonnenstrahlen auf der Haut. Wer sich in die Wälder und Seengebiete der Mark ganz im Norden Brandenburgs an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern begibt, ist nicht auf der Suche nach tobender Ausflugslust. Ruhe vor der Welt da draußen, Kraft tanken, die Natur genießen – das steht hier im Vordergrund. Wir wollen abtauchen ins Naturschutzgebiet Ruppiner Schweiz – eine Tour mit viel Geschichte und am Schluss tatsächlich auch einem Tauchgang. Anzeige* Text: Jörg Krauthöfer / Fotos: Nicole Krauthöfer Unser erstes Ziel ist die Boltenmühle zwischen Neuruppin und Rheinsberg. Die enge Straße endet nach vier Kilometern und etlichen Serpentinen in einer Sackgasse am nördlichen Ende des Tornowsees.  Den romantischen Ort Boltenmühle gibt es schon seit fast 300 Jahren. Namensgeber Hans Joachim Bolten legte 1718 den Grundstein und baute sich die Mühle. Von Kronprinz Friedrich, später auch bekannt auch als Alter Fritz, ist der Satz überliefert:  „Wahrlich, wenn ich nicht Herr von Rheinsberg wäre, möchte ich Müller der Boltenmühle sein“ Alter Fritz Gemahlen wird zwar schon seit Jahren nicht mehr. Zu DDR-Zeiten war die Boltenmühle ein beliebtes Ausflugslokal. Ganze Busladungen naturbegeisterter Ausflügler karrten die Reisebüros aus Berlin, Chemnitz und Rostock hierher. Hinter der Mühle nimmt ein zwei  Kilometer langer Rundwanderweg seinen Anfang. Er führt vorbei an einem Moor, durch lichte Buchenwälder direkt zum Kalksee. Immer an der Seite des Wanderers verläuft der Binenbach. Tief hat er sich in den Boden eingeschnitten. Umgestürzte Bäume liegt kreuz und quer im Fluss, als hätten ein paar Riesen Mikado gespielt. Dazu kommt der grandiose Sound der Natur. Am Nordufer des glasklaren Kalksees liegt der kleine Ort Binenwalde. Aber nicht irgendwelche Bienen, wie man leicht vermuten könnte, haben den Ort seinen Namen verpasst. Eine schöne Förstertochter namens Sabine verdrehte dem Alten Fritz den Kopf. Vielleicht war es auch umgekehrt. Deutschlands Wanderdichter Theodor Fontane macht Sabine zur Legende. Rundwanderung am Binenbach durch Buchenwälder Glasklar liegt der Kalksee eingebettet in wunderschöner Umgebung und leuchtet in türkisem Licht. Das Ufer ist sandig und lädt zum Baden ein, alte Buchen bieten Schatten. An der tiefsten Stelle im See geht es rund 22 Meter nach unten. Natürlich: Ganz so ruhig wie bei unserem Besuch ist es in der Sommerzeit nicht. Viele Ausflügler, unter anderem aus Berlin, säumen dann vor allem an den Wochenenden die zahlreichen Buchten des 1,4 Kilometer langen Gewässers. Unter der Woche hat man hier seine Ruhe und kann dem Geschnatter der Wildgänse, Kraniche oder Haubentaucher zuhören. Abtauchen in Rheinsberg In Rheinsberg soll man auch gut abtauchen können. Nämlich in die Geschichte der Region. Das Schloss am Südufer des Grienericksees und sein prächtiger Park laden zum Flanieren ein. Friedrich der Große, so steht es in den Geschichtsbüchern, soll als Kronprinz hier sehr glücklich gewesen sein. Rheinsberg war seine Probierstube für innovative Gestaltungsideen, die in Schoss Sanssouci in Potsdam ihren krönenden Abschluss fanden. Schloss Rheinsberg war übrigens mal eine Wasserburg, bevor es im Jahr 1740 im Rokokostil umgebaut wurde. Der Graben rund um das historische Gebäude ist noch ein Überbleibsel aus jener Zeit. Heute kaum vorstellbar: Zu DDR Zeiten war hier eine Diabetes-Klink untergebracht. Zum Glück ist die Epoche vorbei und nach Jahren aufwendiger Restaurierung ist das Ensemble wieder zugänglich.   Gleich neben dem Schloss ist die Musikakademie Rheinsberg zu Hause. Das seit 30 Jahren stattfindende Opernfestival der Kammeroper hat sich einen Namen erarbeitet, der rund um den Globus bei Opernfans Begeisterungsstürme auslöst. Im Garten vor dem Schloss sitzen die Besucher und genießen den Blick eines Königs auf den See. Am anderen Ufer ragt der Obelisk von Rheinsberg empor, ein Heldendenkmal, das an die preußischen Helden des Siebenjährigen Krieges erinnert. Auf nach Stechlin Wir verlassen Rheinsberg und setzen unsere Reise in Richtung Stechlinsee fort. Auch wenn dieser nicht wirklich klarste der See Norddeutschlands ist,  als der er gern bezeichnet wird – er ist  rund 70 Meter tief. Wir sind auch nicht mehr zu zweit unterwegs. Unser Freund Jan Gutschmidt aus Norderstedt bei Hamburg hat sich zu uns gesellt und ist mehr als willkommen. Jan kann nämlich tauchen. Hat das von der Pike auf gelernt und steht uns ab sofort mit Rat und Tat zur Seite. Hier in der Nähe, im Roofensee, wollen wir nämlich jetzt abtauchen. So richtig  mit Schnorchelmaske und Taucherflossen. Ein altes Schiffswrack im Roofensee hat unsere Neugier geweckt.  Der Roofensee, im Örtchen Menz gelegen, zählt zu den klarsten Seen der Region. Motorboote sind hier verboten. Kein unnötiges Geräusch stört Natur und Tiere. Menz ist ein Beispiel dafür, was für schöne Ecken diese Region zu bieten hat. Die Badestelle am Südufer liegt idyllisch im Morgenlicht. Alte Bäume bieten Schutz vor der Sonne, das Wasser treibt leise und in türkis-blauen Wellen von Ost nach West. Glasklares Wasser und ein versunkener Kahn Am Ostufer gibt es einen Naturcampingplatz. Die Ferienhäuser im Walddorf an der westlichen Seite waren zu DDR-Zeiten nur Diplomaten zugänglich. Heute urlaubt hier die ganze Republik.  Der gesunkene Kahn liegt an der nördlichsten Seenspitze und ist nur mit dem Boot erreichbar. Wir pumpen am Naturbadstrand also unsere Kajaks auf und machen uns auf den Weg. Direkt von Bord geht es im Neoprenanzug ins zwölf Grad „warme“ Wasser. Die Sichtweite ist hervorragend. Allerdings sollte man beim Schnorcheln heftige Flossenbewegungen vermeiden. Die Wassertiefe beträgt etwa zwei Meter und der schlammige Boden wirbelt bei jeder Bewegung Sedimente auf. Dann endlich ist der Kopf unter Wasser. Unter Wasser beginnt eine andere Welt Die Welt ist plötzlich eine andere. Winzige Fische tanzen über dem mit Schlamm bedeckten Resten des alten Kahns. Welche Geschichte das Wrack hat, bleibt ein Geheimnis. Lautlos und schwerelos schnorcheln wir durch das feuchte Element. Von weitem ist ein Hecht am Schilfrand zu erkennen. Er zeigt seine Zähne, verschwindet genauso still, wie er gekommen ist und hinterlässt ein kribbeliges Gefühl im Magen. Zwei Stunden lang ist das kühle Nass unser Element. Man kann von dieser Unterwasserwelt mit ihren Pflanzen und Fischen gar nicht genug bekommen. Zu Abschluss des Tauchgangs kreuzt noch eine Ringelnatter schwimmend den Rückweg zum Boot. Was für ein Erlebnis. Am späten Abend, längst sind Neoprenanzug, Badehose und Kajak wieder getrocknet, zeigt sich die Mark Brandenburg mit einem traumhaften Sonnenuntergang von ihrer schönsten Seite. Und wir sind uns sicher – wir kommen wieder. . ANZEIGE* – Dieser Blogbeitrag enthält unbeauftragte und unbezahlte Werbung!

  • Die Breitachklamm – Eine Wanderung in Oberstdorf

    Sie rauscht, dröhnt und zieht mit enormen Kräften Menschen seit vielen Jahrhunderten in ihren Bann: die Breitach. Zwischen dem Kleinwalsertal in Österreich und der kleinen Ortschaft Tiefenbach bei Oberstdorf hat sich der Fluss auf einer Länge von 2,3 Kilometern in den Berg eingeschnitten und die tiefste Felsenschlucht in Mitteleuropa geschaffen. Viele hunderttausend Besucher staunen jedes Jahr über die Kräfte der Natur und wandern fasziniert durch eine einzigartige, vom Wasser geformte Landschaft. Ab in die Breitachschlucht Man kann in Oberstdorf viel unternehmen. Die Palette an Ausflugsmöglichkeiten zwischen Nebelhorn und Fellhornbahn ist schier endlos. Wenn die Berge am Mittag aber in Nebel versinken, liegt eine Wandertour durch die Breitachklamm auf der Hand. Seit mehr als 100 Jahren geht es auf schmalen und steinigen Pfad durch das Gebirge, ständig begleitet von einem wilden und unbändigen Fluss. Erreichbar ist das Naturwunder von zwei Seiten: aus dem Kleinwalsertal in Österreich oder vom kleinen Örtchen Tiefenbach, welches liebevoll eingebettet zwischen Söllereck und Geißkopf liegt. Wir entscheiden uns im Juni 2020 unwissend für die lange Tour. Unwissend deshalb, weil wir den Bus in Oberstdorf verpassen. Gerade als wir auf einem Parkplatz das Auto abschließen, fährt er an uns vorbei. Einmal in der Stunde geht es so bequem in Richtung Tiefenbach. Nur leider nicht mit uns. 15 Kilometer lang ist die Tour jetzt durch das Gebirge. Immer entlang an der Breitach, dann kommen 300 Höhenmeter Aufstieg durch die Klamm dazu. Auf dem Rückweg über das Söllereck und Kornau hat der Nebel Reißaus genommen. Eine Traumaussicht begleitet uns wieder zurück ins Tal. Die Breitachklamm zählt zusammen mit der Höllentaklklamm zu den tiefsten Gebirgseinschnitten in den bayrischen Alpen Sie ist sogar die tiefste Felsenschlucht in Mitteleuropa und entstand (laut Wikipedia) in den vergangenen 10.000 Jahren. Ein junger Pfarrer, so erzählen es die Menschen hier, suchte zu Beginn es 20. Jahrhunderts Geldgeber für die Erschließung dieser Touristenattraktion. Ergründete einen Verein und kurbelte damit den Alpentourismus an. Ob er persönlich die erste Sprengung im Jahr 1094 vorgenommen hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls war die Klamm bereits ein Jahr später begehbar und zieht seitdem die Menschen an. Ein Felssturz im Jahr 1995 staute den Fluss im oberen Klammtal auf eine Höhe von 30 Metern. Als der Damm schließlich brach, riss eine gewaltige Sintflut Wege und Bebauungen mit sich. Wild und unbeständig rauscht die Breitach durch das Gebirge. Der Lärm der Wassermassen in beeindruckend und beängstigend zugleich Gleich hinter dem Eingang bei Tiefenbach wird es wild. Dann nämlich bahnen sich die Wasser der Breitach durch eine enge Schlucht mit fast hundert Meter hohen senkrechten und überhängenden Wänden ihren Weg und donnern mit ohrenbetäubendem Lärm über hohe Felsbänke und tiefe Gumpen. Die Breitachklamm ist im Übrigen zu jeder Jahreszeit einen Ausflug wert. Während im Sommer bei schönem Wetter die Klamm im Sonnenlicht funkelt, kann man bei oder nach Regenfällen herunterstürzende, tosenden Wasserfälle bestaunen. Im Winter eröffnet sich den Besuchern ein besonderes Schauspiel. Meterhohe Eisvorhänge und schneebedeckte Felsen verwandeln die Breitachklamm bei jedem Sonnenstrahl in ein funkelndes Winterwunderland. Der Wanderweg durch die Klamm ist sehr gut ausgebaut, sollte aber nur mit festem Schuhwerk begangenen werden. . Der Abstieg von der Breitachklamm nach Oberstdorf Am oberen Eingang, kurz vor der Grenze zu Österreich, das Kleinwalsertal gehört nämlich schon zu unseren Landesnachbarn, spuckt uns die Klamm wieder aus. Knapp 90 Minuten haben wir für die zwei Kilometer lange Schlucht benötigt. Fotos brauchen halt ihre Zeit. Der Rückweg führt uns über wunderschöne Almen parallel zu Bundesstraße 19. Keine Sorge, vom Autolärm hört man nicht viel. Am Söllereck nehmen wir einen kleinen Umweg über Kornau und Jauchen und steigen dann, begleitet von einem fantastischen Ausblick auf Oberstdorf wieder ins Tal ab. Wichtige Informationen Anreise Die Breitachklamm erreicht man mit dem Auto von der B 19 (Sonthofen-Oberstdorf). Immer der Ausschilderung folgen. Von Oberstdorf gibt es auch eine Busverbindung Eintritt Geöffnet von 9 bis 17.30 Uhr ; Erwachsene 6,50 , ermäßigt 2,50 Euro Breitachklamm Online Einstieg Der Einstieg ist von Tiefenbach aus möglich sowie vom Kleinwalsertal aus. Sehenswürdigkeiten in der Umgebung Ufer der Steinmännchen Söllereckbahn Oberstdorf – Söllereckbahn Naturbad am Freibergsee mit Panoramablick auf die Alpen Freibergsee Oberstdorf – Perle des Allgäu. Schöne Bergtouren, ob zu Fuß oder mit dem Rad. Sturmannshöhle Obermaiselstein Die einzige begehbare Spalthöhle im Allgäu

  • Landvergnügen – mit dem Van durch Brandenburg

    Das Roadtrip-Abenteuer beginnt, sobald die Autotür ins Schloss fällt. Mit brummigen Geräuschen startet der alte Dieselmotor. Als wir mit unserem 30 Jahre alten Van die Stadtgrenze erreichen, überholen uns links auf der Autobahn die Lkw. Rechter Hand fliegt die Brandenburger Landschaft im goldenen Licht der Abendsonne vorbei. Das ist Entschleunigung pur. Drei Tage wird das jetzt so gehen. Wir wollen abtauchen, die Stille genießen, Sterne beobachten. Keine Campingplätze anfahren, dafür drei Nächte auf Bauernhöfen verbringen und schauen, wie es da so ist. Die Berliner Agentur Landvergnügen hat das Konzept aus Frankreich importiert. Es funktioniert ganz einfach: Camper kaufen sich eine Jahresvignette und dürfen dafür mit ihren Wohnmobilen jeweils für eine Nacht auf den teilnehmenden Höfen stehen. Manchmal ist der Stellplatz umsonst. Andere nehmen einen kleinen Obolus, zum Beispiel für das Nutzen einer Toilette. Der erste Stop mit dem Van ist im Oderbruch Das erste Ziel befindet sich im Oderbruch. Vor dem Deich endet die Straße. Am Ortseingang von Zollbrücke liegt das Theater mit dem passenden Namen „Theater am Rand“. Es wurde 1998 von Thomas Rühmann und Musiker Tobias Morgenstern gegründet. Rühmann spielt im übrigen den Chefarzt in der Serie “In aller Freundschaft. Beide Gründer wurden für ihr kulturelles Engagement hier in Zollbrücke sogar mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg ausgezeichnet. Ein paar Meter weiter, hinter dem drei Meter hohen Deich fließt träge die Oder in Richtung Stettiner Haff. Von der polnischen Seite aus grüßen Angler in unsere Richtung. Gastgeber Michael Rubin vom Ziegenhof Zollbrücke wartet bereits. Mit geschultem Blick nimmt er von unserem Auto Maß und dirigiert uns dann in eine ruhige Ecke seinen Hofes. Es gibt eine Toilette, eine Dusche und einen Hofladen. Schnell sind Stühle und Tisch aufgestellt. Eine Schar Hühner kommt zur Begrüßung vorbei und interessiert sich für das Innenleben unseres Wohnmobils. Von den Ziegen ist nichts zu sehen. Im Hofladen kaufen wir etwas Ziegenkäse für das Abendessen. Der wird in Scheiben geschnitten, mit Schinken ummantel und dann für ein paar Minuten gebacken. Serviert auf grünem Salat ist das eine herzhafte Campermahlzeit. Kerzen kommen auf den Tisch und eine gute Flasche Wein. Wir beobachten einen einsamen Storch, der seelenruhig zwischen Strohballen nach etwas Essbarem sucht. Am Himmel kreisen Bussard und Wildgänse. Die Stille über den Feldern tut der Großstadtseele gut. Am nächsten Morgen weckt uns die Sonne, und es geht in Richtung Schorfheide. Vorbei am größten Fahrstuhl für Schiffe in Europa. Genauer genommen sind es mittlerweile zwei, denn direkt neben dem alten funktionstüchtigen Industriedenkmal aus dem Jahr 1934 entsteht ein weiteres, hochmodernes Hebewerk. Doch wie beim Flughafen BER weiß niemand, wann es richtig fertig gebaut ist. Auf dem Besucherparkplatz herrscht enormer Andrang. Wir lassen die Menschenmassen hinter uns und genießen stattdessen den frischen Fahrtwind. Die Reise führt durch uralte Buchenwälder, durch weite Wiesen und Felder. Nächster Halt ist der Ökohof von Kornelia und Lutz Engler in Serwest bei Chorin. Vorsichtig öffnen wir das große Hoftor. Niemand ist zu sehen. Auch nicht der angekündigte Wachhund Sumo, ein in die Jahre gekommener Chow-Chow. Dieser steht stattdessen fasziniert am Hühnergehege und beobachtet, wie die Hausherrin, bekleidet mit Shirt, kurzer Hose und grünen Gummistiefeln, 400 Hühnerdamen in den Stall scheucht. „Die müssen jetzt schlafen. Morgen früh um 6 Uhr geht es zum Schlachter“, erzählt Ökobäuerin Engler und lacht. Uns Großstädtern wird ganz komisch im Magen, und wir ertappen uns dabei, wie wir innerlich allen Hühnern Lebewohl sagen. Aber so ist das Landleben. Dann erfolgt eine herzliche Begrüßung. Kornelia Engler zeigt uns den Hof, Toilette und das kleine Café. In einem großen Kühlschrank steht gekühltes Bier, Wein und Sekt. Es gibt Fleisch, Brötchen und Naschereien zu kaufen. Fast wirkt das Angebot wie in einem kleinen Dorfladen. Der Clou sind die Hochbeete im zentralen Teil des Hofes. Möhren, Kartoffeln oder Bohnen zum Selberernten. Während wir zehn Möhren aus dem Erdboden buddeln, kommen Kindheitserinnerungen wieder hoch. Uns gefällt es hier. Seit sieben Jahren bieten die Englers Campern einen Platz auf ihrem Hof an. „Wir sind gut ausgebucht. Viele Besucher bleiben gern auch länger“, sagt Kornelia Engler. Eigentlich sehe man es auch am liebsten, würden die Camper mindestens zwei Nächte übernachten. Dann müsse man nicht jeden Tag neuen Anreisenden die Gepflogenheiten des Hofes erklären, fügt die Ökobäuerin noch hinzu. Kurze Zeit später wird es ruhig auf dem Hof. Die Hennen im Hühnerstall haben sich mit ihrem Schicksal abgefunden, die geernteten Möhren sind zu einem Salat verarbeitet. Beim Nachbarn dudelt leise Rockmusik aus dem Autoradio. Am Himmel arbeiten sich rote Schleierwolken Richtung Osten, und manchmal rauschen ein paar Eisenbahnwagen auf der nahen Bahntrasse Berlin–Stralsund vorbei. Die frische Landluft fordert Tribut. Wir gehen beizeiten ins Bett. Der letzte Hof auf unserer Roadtour wartet. Es geht vorbei am Kloster Zehdenick und an der Havelstadt Gransee mit ihrer alten Stadtmauer. Vor dem Ortseingang der Gemeinde Rauschendorf werden seltene Tiere am Horizont sichtbar. Auf einer großen Wiese grast eine Herde Alpakas. Die hören auf Namen wie Illuminati, Flavio, Monbijou oder Chianti und schauen uns mit süßen Knopfaugen erwartungsvoll. Seit sechs Monaten wohnt Züchterin Jennifer Draba-Quell hier. Sie bietet interessierten Besuchern Führungen oder Alpaka-Picknicks an, inklusive Streicheleinheiten. Für einen Besuch sollte man sich vorher anmelden. Unser Van rollt noch ein paar Meter weiter und stoppt abrupt. „Da komme ich doch niemals durch“, sagt die Fahrerin und deutet auf die kleine Durchfahrt in der Feldsteinmauer. Unser Gastgeber beruhigt. Es wird schon. Tatsächlich hoppelt der alte Krankenwagen unbeschadet die winzige Auffahrt im Fontane-Garten hinunter, und wir stehen in einem grünen Paradies. Links befindet sich das alte Gärtnerhaus, liebevoll hergerichtet. Die anderen 8000 Quadratmeter gehören der Natur. Der Berliner Fotograf Michael Haddenhorst und seine Frau Isabel haben sich hier draußen in der Einsamkeit ihr Refugium geschaffen und im Fontanejahr 2019 diesen Ort für Kultur und Begegnungen geschaffen. „Corona hat die Kultur verhindert“, sagt Haddenhorst. „Aber die Camper, die können von Donnerstag bis Sonntag vorbeikommen.“ Wir treffen Sina und Alexander aus Berlin. In zwei Wochen gehen sie mit ihrem Bulli auf Weltreise. Der Fontane-Garten muss als Generalprobe herhalten. „Wir wollten sehen, wie es sich zu zweit auf acht Quadratmetern wohnen lässt“, lacht Alexander. Abends sitzen wir mit dem Hausherren unter Kletterrosen und Lavendel auf der Terrasse, genießen die frische Landluft und ein Glas Wein. Spät in der Nacht schiebt der Wind die letzten Wolken am Himmel auseinander, und am südlichen Firmament kann man tatsächlich neben dem klaren Sternenhimmel auch noch die Milchstraße bewundern. Ein magischer Moment, den wir in vollen Zügen genießen. Landvergnügen Den Katalog mit mehr als 800 Adressen teilnehmender Höfe in Deutschland gibt es für 34,90 Euro im Buchhandel oder im Internet. Aufgrund der Corona-Krise ist die Nachfrage enorm, und die Vignetten sind derzeit ausverkauft. Auf einigen Höfen kann man aber auch ohne Vignette stehen. 24 Stunden vor Ankunft bitte telefonisch nach einem freien Platz auf dem gewünschten Hof fragen. Preise für die Stellplätze variieren von kostenlos bis zu einem festen Obolus zum Beispiel für Toilettenbenutzung oder Müllentsorgung und sollten bei der Buchung abgefragt werden. Unsere Stationen Ziegenhof Zollbrücke Zollbrücke 20 in 16259 OderaueTel.: 0173/6131569 Ökohof Engler Serwester Dorfstraße 72, 16230 ChorinTel.: 01712070603 Fontane-Garten Rauschendorf, Hauptstraße 7, 16775 Sonnenberg OT Rauschendorf Tel.: 0175/4026990 Essen und Trinken Viele Höfe bieten ihre eigenen Produkte in ihren kleinen Läden an. Die Informationen über das jeweilige Angebot stehen im Katalog. „Alte Klosterschänke“ Chorin Am Amt 9, 16230 Chorin, Öffnungszeiten: sonnabends und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Tel.: 033366/530100 „Gasthaus Alter Hafen“ Ziegeleipark Mildenberg Ziegelei 10, 18792 Zehdenick. Direkt an der Havel gelegen. Wochentags geöffnet 17 bis 22 Uhr, an den Wochenenden 11.30 Uhr bis 22 Uhr. Es gibt deftige Hausmannskost wie Schnitzel, Bratkartoffeln oder den Milden-Burger. Zudem servieren die Köche frischen Salat aus der Region. Von der großen überdachten Terrasse kann man den Freizeitkapitänen auf der Havel zusehen. Tel.: 03307/301870 Sehenswürdigkeiten Theater am Rand Zollbrücke 16, 16259 Oderaue, Tel: 033457 66521 Schiffshebewerk Niederfinow Hebewerksstraße 70A, 16248 Niederfinow. Die 1934 in Betrieb genommene Anlage ist ein technisches Meisterwerk, funktioniert auch nach mehr als 90 Jahren tadellos und kann täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr besucht werden. Gleich nebenan entsteht das neue, hochmoderne Hebewerk. Kloster Chorin Amt Chorin 11a, 16230 Chorin. Geöffnet täglich von 9 bis 18 Uhr. Schon von Weitem sieht man die Backsteinmauern des alten Baus. Wer aber keine Lust auf Architektur hat, läuft den drei Kilometer langen Rundwanderweg über den ehemaligen Weinberg und genießt den Blick auf die Wälder der Schorfheide. Kloster Zehdenick Klosterstraße 2, 16792 Zehdenick. Es wurde 1250 als Zisterzienserinnen-Kloster gegründet, der Legende nach zur Erinnerung an ein Hostienwunder. Die Klosterkirche zerstörte ein Brand. Sie wurde nie wieder aufgebaut. Es gibt einen Klostergarten, einen Friedhof und einen Kräuter-Schaugarten. Ziegeleipark Mildenberg Ziegelei 10, 16792 Zehdenick. Direkt am alten Hafen beginnt eine Entdeckungstour durch viele Jahre Ziegelei- und Technikgeschichte der Region. Einst wurden hier Milliarden von Ziegeln hergestellt und mit Lastkähnen nach Berlin verschifft. Feldbahnen nehmen Besucher mit auf einen Rundfahrt. Tiny Alpaka Town Am Ortseingang von Rauschendorf liegt die Alpaka-Farm von Jennifer Draba-Quell. Führungen, können unter www.tinyalpacatown.de gebucht werden. Außerdem gibt es einen kleinen Hofladen mit Alpaka-Produkten. In der Nähe Wildpark Schorfheide Prenzlauer Straße 16, 16244 Schorfheide. Täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Wandern am Parsteiner See Von der Dorfkirche in Brodowin führt ein Wanderweg sechs Kilometer am Brodowinsee und um den Wiesensee herum. Zu Schluss: Das Sternenbild. Man kann sie wirklich sehen – die Milchstraße.

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