Brandenburg – Wanderung um den Witwensee bei Rheinsberg

Heute hat uns die Lust auf eine herbstliche Wanderung in der Mark Brandenburg gepackt. Als Kinder – wir Krautis aus Dresden – haben wir vor mehr als vier Jahrzehnten oft die Sommerferien in Rheinsberg verbracht. Die Stadt liegt westlich vom Stechlinsee und ist vor allem für ihr Schloss, die sommerlichen Schlosskonzerte und natürlich Theodor Fontane, den „Wanderfürsten“, bekannt. Meistens blieben wir vier Wochen am Stück und nutzten die Zeit, um die Umgebung ausgiebig zu erkunden.

Zu unseren Favoriten zählte die Radtour zum Wittwesee. Er gilt neben dem Stechlinsee als einer der saubersten Seen Brandenburgs. Vom Ufer aus reichten ein paar Schritte, und schon konnten wir ins glasklare Wasser abtauchen. Ich erinner mich an Sichtweiten unter Wasser von über sechs Metern. Seitdem sind viele Jahre vergangen – höchste Zeit, dem See und dem verwunschenen Wald rund um den Wittwesee mal wieder einen Besuch abzustatten.

Infos und Tourbeschreibung

Kleiner Hinweis vorweg: Es ist gerade Jagdzeit. An den Zufahrten in den Wald weisen Schilder gegebenenfalls auf die Aktivitäten hin – also bitte aufmerksam bleiben. Unsere Tour startet an einem Lost Place an der Menzer Straße, knapp einen Kilometer hinter Rheinsberg, wenn du in Richtung Menz fährst. Die alte Waldschänke hat bessere Tage gesehen; ein paar Spielgeräte stehen noch im verwilderten Garten, doch vom einstigen Leben ist nichts mehr übrig. Der Weg führt am Grundstück entlang nach Norden. An der nächsten Kreuzung biegen wir links ab, kommen zu einem Feld und wandern weiter nordwärts am Feld entlang in den Wald.

Später passieren wir eine große Wiese und stoßen am Ende auf den Sonnenweg. Hier halten wir uns rechts, folgen der Wiese bis zur nächsten Kreuzung, wo ein Waldpfad im rechten Winkel an einer Schranke vorbei direkt zur Badestelle am Wittwesee führt. Ab jetzt wird’s einfach: Der schmale Waldweg begleitet den wunderschönen, malerisch gelegenen Wittwesee bis nach Feldgrieben. Woher der See seinen Namen hat, weiß niemand so genau. Mit Witwen hat er jedenfalls nichts zu tun. Wahrscheinlicher ist eine slawische Herkunft: „Zweig“ oder „Ast“ – und tatsächlich wirkt das Gewässer auf der Karte wie die Verästelung eines Baumes.

Wandern in Brandenburg – Wittwesee

Durch den lichten Wald sind gelegentlich alte Gleisanlagen zu sehen, die früher zum Kraftwerk Rheinsberg gehörten. Das Kernkraftwerk ging 1966 in Betrieb und war das erste kommerziell betriebene seiner Art in der DDR; seit 1995 wird es zurückgebaut. Manchmal öffnet der Wald den Blick auf den verbliebenen Schornstein. Das Kraftwerk kann man übrigens besichtigen. Wir passieren das winzige Dorf Feldgrieben, das zur Gemeinde Rheinsberg gehört und laut Wikipedia im Jahr 2023 genau fünf Einwohner hatte. Wie viele es heute sind, lässt sich schwer sagen. Vor den wenigen Gehöften stehen ein paar Autos, ansonsten herrscht stille, wunderbare Ruhe.

Im alten Gutshof war zu DDR-Zeiten ein Kinderferienlager untergebracht, wovon heute kaum noch etwas zu sehen ist. Auf dem kleinen Friedhof am Ortseingang liegt unter anderem der frühere Gutsherr Ulrich von Osten-Sacken. Auf der Schotterpiste geht es kurz nach Norden, dann an der nächsten Biegung Richtung Osten. Etwa 500 Meter später erreichen wir den Abzweig nach rechts.

Wandern in Brandenburg - Wittwesee
Magisches Licht am Wegesrand. Vor allem im Herbst wird eine Wanderung um den Wittwesee zu einem Farbspektakel.

Hier geht es an einer Schranke vorbei direkt in den Wald. Eine weitere Weggabelung weist erneut nach rechts; wir folgen dem Pfad bis zu einer Kopfsteinpflasterstraße und halten uns abermals rechts zum ehemaligen Forsthaus Sellenwalde. Das liegt an der Rheinsberger Chaussee, beherbergte eine Zeit lang Ferienwohnungen und ist momentan geschlossen.

Die letzten Kilometer laufen wir an der Landstraße entlang auf dem ausgebauten Radweg zurück Richtung Rheinsberg – bis zu unserem Parkplatz an der ehemaligen Waldschänke.

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