Vor einiger Zeit fuhren wir zufällig durch den kleinen Ort Melchow in Brandenburg, unweit von Eberswalde. Wir waren auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum zum Selberschlagen. Ein grünes Schild am Bahnhof Melchow erregte unsere Aufmerksamkeit: Wandern „Zum Märchenwald“, stand dort in großen Buchstaben. Wir wurden neugierig, aber es war bereits spät, und der besagte Weihnachtsbaum stand noch auf unserer To-do-Liste. Also verschoben wir die Wanderung durch den Märchenwald – und irgendwann geriet er in Vergessenheit.
Als wir vor kurzem auf der Suche nach einer kindgerechten Tour für unseren Oma‑Opa‑Enkelkind‑Tag waren, tauchte der Name wieder auf: Melchow. Und mit ihm die Idee vom Märchenwald.

Der Märchenpfad beginnt an der Alten Dorfstraße und endet am Bahnhof Melchow – oder andersherum, ganz wie man mag. Rund 800 Meter Naturweg führen durch kühlen Wald, an Feldern und Wiesen entlang; manchmal steht Weidevieh direkt am Zaun. Barnim im Taschenformat: ruhig, grün, weit, magisch und wunderschön. Vor allem im Herbst. Der Pfad ist ein beliebter Ausgangspunkt für kurze Abstecher und Teil des Wanderwegs „Rund um die Schorfheide“, 2022 als drittschönster Fernwanderweg Deutschlands (Mehrtagestouren) ausgezeichnet.

Links und rechts am Wegesrand laden Skulpturen zum Anfassen ein: der Froschkönig blinzelt, Hänsel und Gretel lugen zwischen Holz und Laub hervor, Schneewittchen hält Hof. Heb den Blick: Ein Gesicht wächst aus einem Baumstamm, eine kleine Holztür öffnet die Fantasie zum Zwergenreich. Geschaffen wurde alles von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Ort. Und der Märchenpfad selbst wurde prämiert – als Sieger im Wettbewerb „Naturpark‑Projekt 2025“.
Fazit Wandern in Melchow
Fazit: Kein Freizeitpark, kein Klamauk – sondern ein stiller Pfad für Genießerinnen, Genießer und Naturfreundinnen und -freunde. Wer sich Zeit lässt, die Märchen auf sich wirken lässt und mit den Kindern die Fantasie spielen lässt, erlebt auf dem kleinen Trail einen kurzweiligen Tag. Unserem Enkelkind Minna hat es besonders gefallen: die Tür ins Zwergenreich, der Fisch aus „Der Fischer und seine Frau“. Prädikat: Hinfahren, loslaufen, staunen.



Infos und Tourbeschreibung Wandern in Melchow
Wir starten am Bahnhof Melchow und laufen die Eberswalder Straße ostwärts bis zur Kreuzung Alte Dorfstraße. Dort biegen wir rechts ab, wandern an der Feuerwehr vorbei, nehmen die Linkskurve und halten uns gleich danach rechts. Ein paar Meter hinter der Kreuzung beginnt auf der linken Seite der Märchenweg. Diesem folgen wir am Friedhof vorbei bis zu den Bahngleisen. Jetzt muss man sich entscheiden: zurück zum Bahnhof oder ein entspannter Fußmarsch von etwa drei Kilometern an den Schienen entlang bis zum Bahnhof Biesenthal.
Wir sind links abgebogen und haben uns auf die kleine Wandertour begeben. Es lohnt sich. Abgesehen von ein paar Zügen, die regelmäßig in Richtung Berlin oder Ostsee rauschen, ist es ein entspannter Weg ohne große Herausforderungen. In Biesenthal wartet im ehemaligen Kaiserlichen Postamt ein kleines Café – perfekt, um die Zeit bis zum nächsten Zug mit Kaffee und Kuchen zu überbrücken.
