Brandenburg,  Camping,  Kurztrip,  Photographie,  Vanlife

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Brandenburg ist schön und immer einen Abstecher wert. Es gibt verwunschene Ecken, kleine Schlösser und Burgen. Ganze Landstriche warten darauf, entdeckt zu werden. Wir waren vier Tage mit dem Van unterwegs zwischen Elbe und Schlaubetal. Brandenburg, das Land der unendliche vielen Seen, märchenhaften Wäldern und kleinen romantischen Städtchen zieht uns immer wieder in seinen Bann. Kommt doch einfach mit und lasst euch verzaubern.

1. Abend – Unterm Sternenzelt im Sternenpark Havelland

Wir sind sehr spät aus Berlin weggekommen. Als ob der Chef es geahnt hätte das man gerne schnell wegmöchte, findet die Arbeit einfach kein Ende. Entgegen unserer Gewohnheiten fahren wir auf der Stadtautobahn durch die City. Normalerweise meiden wir diesen Weg. Es ist immer Stau in Berlin, aber abends um 21 Uhr gehört die Straße uns. Ziel für den ersten Schlafplatz ist der Sternenpark im Westhavelland. Rund um den Gülper See gibt es wunderbare Fotospots, von wo aus sich klarer Blick in den Brandenburger Sternenhimmel bietet. Natürlich haben wir bei der Planung unserer Route den Vollmond vergessen. Das stellen wir bei der Ankunft kurz vor Mitternacht enttäuscht fest. Das helle Mondlicht setzt die weite Schilflandschaft an den Kanälen in mystisches Licht. Von der Milchstraße und den endlosen Weiten des Weltalls ist in dieser Nacht nichts zu sehen. Dafür quaken die Frösche und am frühen Morgen verwöhnt uns die Sonne mit einem wunderschönen Lichtspektakel. Und wir sind gegen fünf Uhr bereits wieder mit den Kameras unterwegs.

Tour de Brandenburg - im Westhavelland
Prefix

Info Box

Sternenpark Westhavelland
Mit dem Auto über die B5 in Richtung Kyritz.
Bei Friesack in Richtung Rhinow weiter.
Zur Googlekarte HIER entlang
Informationen zum Sternenpark gibt es HIER


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Von Havelberg nach Wittenberge – Schlafplatz an der Elbe

Wer aus dem Westhavelland in Richtung Norden an die Elbe möchte, kommt an Havelberg nicht vorbei. Wir auch nicht. Schon von weitem ist die Kirchturmspitze von St. Marien zu sehen, dem Wahrzeichen der Stadt. Die kleine Hansestadt am Ufer des Havelstroms liegt ganz oben im Nordosten von Sachsen-Anhalt und zählt etwa 40.000 Einwohner. Die Altstadt um die Kirche St. Laurentius liegt auf einer Insel. Doch der Lichtblick ist der Havelberger Dom an der Spitze des alten Bischofsitzes. Erbaut im 11. Jahrhundert war der gotische Bau vor allem zu Missionierung der damals ansässigen Westslawen gedacht. Wir wandern an der Gertrautenkapelle vorbei zum Burggrafenstein. Hier hat man eine wunderschöne Sicht auf die Stadtinsel. Hinter dem Dom gibt es einen Kräutergarten und beim Abstieg über den Prälatenweg in Richtung Innenstadt kann man den Havelbergern auch mal ins Fenster schauen.

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Im Storchendorf Rühstadt an der Elbe

Auch im nordwestlichsten Zipfel Brandenburgs haben Störche ein festes Zuhause gefunden. In Rühstadt an der Elbe gibt es nahezu auf jedem Hausdach ein Nest und es klappert was das Zeug hält. Was schlecht für die unzähligen Frösche in den Elbauen ist, ist gut für die Besucher des kleinen Dorfes. Die sitzen in aller Ruhe in den Cafes entlang der Hauptstraße und genießen die Aussicht auf die gefiederten Dorfbewohner. Es gibt ein Informationszentrum zum Biospährenreservat Flusslandschaft Elbe, einen Schlosspark und einen Wohnmobilstellplatz. Ein kleiner Hingucker und definitiv beachtenswert ist die evangelische Dorfkirche aus späten 15. Jahrhundert.

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Ein Schlafplatz am Fluss

Das wollten wir schon immer einmal machen: mit dem Camper an der Elbe stehen, direkt am Fluss und dort auch übernachten. Da der Wohnmobilstellplatz in Wittenberge am alten Hafen mit 30 Wohnmobilen völlig überfüllt ist, fahren wir noch ein Stückchen weiter nach Norden und ankern direkt auf einem Betonanlieger am Fluss. Auf der anderen Elbseite grüßt Sachsen-Anhalt. Kindergeschrei liegt in der Luft. Überall wird gebadet, sich gesonnt oder die Sommersonne genossen. Die Elbe führt gerade viel Wasser, welches mit einer enormen Geschwindigkeit nur wenige Meter von unserem Van entfernt in Richtung Norden rauscht. Wir bleiben hier und es wird eine richtig gemütliche und ruhige Nacht werden. Abends kommen Jugendliche an den Platz. Die einen rauchen Shishapfeife, die anderen essen gemeinsam mit Freunden Pizza. Es liegt auch zur späten Stunde noch eine wunderbare Stimmung über dem Ort. Am nächsten morgen sitzt eine älter Dame vorn auf einem Poller und blickt gedankenversunken auf den Strom. Wir kommen ins Gespräch und erfahren, das an dieser Stelle Pioniere der NVA (Nationale Volksarme) für den Ernstfall geübt hätten. Und sie erzählt von ihrem maritimen Leben an und auf der Elbe. Eine gute Stunde hören wir gebannt zu dann sitzen wir auch schon wieder in unserem Camper und steuern die nächste Etappe unserer Kurzreise durch Brandenburg an. Die Kyritzer Heide wartet.

Info Box

Schlafplatz an der Elbe
Am Ende der Wahrenberger Chaussee
Badeplatz
Keine Toilette, keine Müllbehälter, keine Entsorgung
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Vom Militärgebiet zur Naturschutzzone – die Kyritz-Ruppiner Heide

Auch Brandenburg hat eine Heidelandschaft zu bieten. Nur kennt sie leider kaum einer. Weit oben im Norden des Bundeslandes, nahe der Mecklenburgischen Seenplatte, liegt die Kyritz-Ruppiner Heide. Mehr als 50 Jahren haben hier erst die Sowjetarmee und später die Bundeswehr tiefe Narben in der Natur hinterlassen. 1952 nahmen die Russen den Landstrich in Besitz und nutzen ihn als Truppenübungsgebiet. Die Löcher der eingeschlagenen Granaten sind auch heute noch erkennbar. Panzerketten haben Wege und Boden zerstört. Der letzte Übungsflug eines russischen Jagdflugzeuges war im Januar 1993. Ein Jahr später zogen die Sowjets ab und die Bundeswehr übernahm. Die Bürgerinitiative “Freie Heide” kämpfte viele Jahre gegen die Pläne zum Ausbau der Heide zu Europas größten Tiefflugübungsplatzes. Mit Erfolg. Zusammen mit der Heinz-Sielmann-Stiftung erobern sich jetzt Menschen und Natur diesen Platz zurück und die Kyritz-Ruppiner Heide ist heute das größte zusammenhängende Heidegebiet im Norden der Republik. Allerdings befinden sich auf dem Areal leider immer noch 1,5 Millionen Blindgänger . Die Schilder entlang der Wanderwege sind deswegen an Deutlichkeit nicht zu übersehen. Ein kleiner Bereich im südlichen Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes ist aber beräumt und kann eigenständig oder auf geführten Touren betreten, beradelt und beritten werden.

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Blick vom Sielmann-Turm der Kyritz-Ruppiner Heide in Richtung Westen.

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Aus luftiger Höhe hat man einen wunderbaren Blick über das weiläufige Gelände.
Wo einst Panzer die Furchen zogen, können Wanderer heute das einzigartige Flair dieser Natur- und Kulturlandschaft genießen.

Info Box

Anreise: Mit dem Auto auf der Bundesautobahn A 19 bis zur Abfahrt Herzsprung, dann die L18 weiter Richtung Süden bis nach Temnitzquell. Im Ort geht es links nach Pfalzheim. Der Weg zum Wanderparkplatz ist gut ausgeschildert.
Übernachtung: Wohnmobilstellplatz Kyritz am Untersee (10 Euro/Tag)
Campingplatz Wusterhausen
Weblinks für Neugierige:
Heinz Sielmann-Stiftung: Infos gibt es hier
Kyritz-Ruppiner Heide – Infos gibt es hier
Campingplatz Wusterhausen

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