Im Baruther Urstromtal wartet zwischen Klasdorf und Glashütte auf einer Wandertour pure Natur, historische Entdeckungen und eine außergewöhnliche Handwerkskunst – mit einer Überraschung am Ende der Route.
Durch das Urtromtal nach Glashütte wandern
Wir starten die Wandertour, nachdem uns die Regionalbahn am Bahnhof Klasdorf-Glashütte abgesetzt hat. Unser Weg liegt auf der anderen Seite der Gleise; zunächst geht es über die Brücke nach Norden. Der Haltepunkt hat architektonisch und inhaltlich wenig zu bieten, daher folgen wir der Bahntrasse ein paar Meter nach Osten, bevor wir links auf einen Forstweg abbiegen und im typisch brandenburgischen Kiefernwald verschwinden.
Nach gut einem Kilometer überqueren wir eine kleine Straße und biegen kurz vor dem Feld links auf den Wanderweg nach Glashütte ab. Fortan geht es gemütlich geradeaus, vorbei am beschaulichen Dörfchen Klasdorf. Das merkwürdig aussehende Gestell mitten auf dem Feld ist ein sogenanntes Drehfunkfeuer und dient Pilotinnen und Piloten zur Navigation.

Wir überqueren die Klasdorfer Straße und folgen den Schildern, die nach Norden weisen und uns am Feldrand entlang in den Wald führen. Die Kulturlandschaft rund um Glashütte ist Teil des Baruther Urstromtals, das sich von der Oder im Osten Brandenburgs bis zur Elbe erstreckt und am Ende der letzten Eiszeit entstand.

Ein alter Eisenbahnwagen im Kiefernwald markiert den Zugang zum Museumsdorf Baruther Glashütte. Die kleinen Fachwerkhäuser rufen unmittelbar das Gefühl vergangener Zeiten hervor. Ein Spaziergang entlang der Dorfstraße von einem Ende der Siedlung zum anderen lohnt sich. An diesem Ort entwickelte sich seit dem frühen 18. Jahrhundert zunächst eine Glasmachersiedlung; später kam die Glashütte hinzu. Der Durchbruch gelang 1844 mit einem speziellen Ofen für Milchglas: Der Baruther Lampenschirm entstand, wurde 1851 auf der Londoner Weltausstellung ausgezeichnet und in den folgenden Jahren millionenfach weltweit verkauft.

Technisches Denkmal mit handwerklichem Charme
Mit dem Erfolg wuchs die Siedlung zur größten Lampenmanufaktur der Provinz Brandenburg. 1875 verbesserte der Anschluss an die Berlin–Dresden-Bahn den Absatz weiter. Eine Pferdebahn brachte die Waren zur Hauptstrecke nach Klasdorf. Reste des Bahnschuppens, alte Waggons, darunter der am Ende des Wanderwegs, und verbliebene Gleise erinnern an diese Phase. Konkurrenz und die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre setzten dem Betrieb zu. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Glashütte in einen volkseigenen Betrieb der DDR überführt; 1980 kam die Produktion wegen technischer Mängel und Baufälligkeit zum Erliegen.

Die Glashütte gilt heute als technisches Denkmal, steht exemplarisch für handwerkliche Tradition „Made in Brandenburg“ und beherbergt ein Museum sowie verschiedene Handwerksläden. Dazu zählen eine Töpferei, ein Kräuterladen, eine Seifenmanufaktur und mehrere Manufakturen sowie Geschäfte für Textilprodukte. Vor Ort gibt es außerdem ein kleines Café, ein Schokoladengeschäft, einen Weinsalon und einen Gasthof. Im ehemaligen Konsum werden saisonale und regionale Wurstspezialitäten sowie Backwaren angeboten. Ganz oben auf der Entdeckerliste der zahlreichen Touristen steht jedoch das Handwerk, das den Ort über die Landesgrenzen hinaus berühmt gemacht hat: das Glasblasen.
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Wir verlassen das pittoreske Örtchen über den Hüttenweg in Richtung Osten, passieren den Steinspielplatz und biegen am markanten gelben Haus, der Museumsherberge Glashütte, nach rechts in Richtung Wald ab. Von weitem grüßt eine uralte Eiche, das Naturdenkmal von Glashütte. Entlang des kleinen Kanals wandern wir zurück bis zur Kreuzung oberhalb von Klasdorf. Von dort folgen wir dem bekannten Weg zurück zum Bahnhof Klasdorf-Glashütte.
Wer bis jetzt nicht wandermüde ist, dem empfehlen wir einen Abstecher in den nahegelegenen Wildpark Johannismühle. Dazu geht es am Bahnhof vorbei, über die Brücke und die Straße entlang bis zur Bundesstraße 96. Dort folgen wir dem Asphaltband nach links und biegen etwa 100 Meter später rechts in die Straße Johannismühle ab.

Geschichte und Tiere entdecken im Wildpark
Der Wildpark gehört zu knapp 50 Einrichtungen in Brandenburg, die heimische Tierarten zeigen. Die Geschichte des Areals ist lang und beeindruckend: Vor rund 300 Jahren stand hier eine Wassermühle, deren Feldsteinmauern noch heute erkennbar sind. Als sich der Betrieb nicht mehr lohnte, errichtete man an gleicher Stelle ein Forsthaus. Der Müllersohn Johann Georg Lehmann ist vielen Menschen wohl nicht bekannt, dabei profitieren Wanderer, Abenteurer, Entdecker und Bergsteiger bis heute von seiner Arbeit. Seine Spezialität war nämlich die Weiterentwicklung von Messmethoden und -instrumenten zur Kartografierung von Landschaften. Die moderne Darstellung von Höhenlinien auf Wanderkarten geht unter anderem auf ihn zurück.
Das Forsthaus diente 1945 als Stabsquartier der Sowjetarmee, von wo aus die Kesselschlacht bei Halbe koordiniert wurde. Später wurde das Gebiet zum Sonderjagdgebiet der Russen, inklusive eigener Datsche zur Naherholung. Seit 1997 leben auf dem rund 100 Hektar großen Gelände unter anderem Wölfe, Bären, Luchse sowie viel Rot- und Damwild. Zwei Rundwanderwege laden dazu ein, die Tierwelt zu entdecken.










